Die Geschichte der archäologischen Forschung

Die Archäologie ist eine Wissenschaft, die sich mit der kulturellen Entwicklung der Menschheit beschäftigt. Dabei bedient sie sich naturwissenschaftlicher Methoden und geisteswissenschaftlicher Disziplinen. Im Vergleich zu anderen Wissenschaften wie der Mathematik oder der Astronomie stellt die Archäologie eine verhältnismäßig junge Wissenschaft dar.

Der Beginn der Forschung

In Europa setzten sich Gelehrte erstmals im 15. Jahrhundert mit der Archäologie auseinander. Der italienische Kaufmann Cyriacus von Ancona (1391 bis 1455) gilt als der Vater der Archäologie. Im 15. und 16. Jahrhundert interessierte man sich für die Altertumsforschung, da man mehr über die in antiken Quellen beschriebenen Vorkommnisse wissen wollte.

Im 16. Jahrhundert entwickelte sich schließlich ein Sammlerkult. Viele wohlhabende Gelehrte sowie der Klerus sammelten antike Kunstschätze. Auch alte Denkmäler erregten die Aufmerksamkeit zahlreicher archäologisch interessierter Menschen. Diese wurden in einigen Schriften beschrieben und im späten 16. Jahrhundert katalogisiert.

Entwicklung der archäologischen Forschungsarbeit

Erst ab der Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelten sich neue archäologische Forschungsmethoden und machten diese Wissenschaft populär. Im 18. Jahrhundert schuf man mit der Einführung der Stratigraphie eine Möglichkeit der Einstufung von Artefakten in die richtige geschichtliche Periode. Im Jahr 1836 stellte der Zollinspektor und Hobby-Archäologe Jacques Bouchet de Perthes das Dreiperiodensystem auf. Darin wird die Menschheitsgeschichte erstmals in die Epochen der Steinzeit, der Bronzezeit und der Eisenzeit eingeteilt. Die Steinzeit wurde später nach der Form der Bearbeitung der gefundenen Werkzeuge noch in das Paläolithikum und das Neolithikum unterteilt. Im Jahr 1748 nahm man das erste archäologische Großprojekt in Angriff und begann mit der Ausgrabung der Städte Pompeji und Herculaneum. Diese Städte wurden im Jahr 79. n. Chr. durch den Ausbruch des Vesuvs zerstört. Der antike Philosoph Plinius der Jüngere hatte damals bereits die Geschehnisse eindrucksvoll beschrieben. 1762 dokumentierte Johann Joachim Winckelmann diese Ausgrabungen. Er gilt heute als Begründer der klassischen Archäologie. In der Mitte des 19. Jahrhunderts verfeinerte man die archäologischen Forschungsmethoden. Weitere Ausgrabungen in Europa und Afrika waren die Folge.

Sir Flinders Petrie stellte im Zuge von Ausgrabungen in Ägypten seine Richtlinien für die archäologische Arbeit auf. Die Prämissen dafür waren Sorgfalt, die präzise Vermessung der Grabungsstätten sowie die umfangreiche Veröffentlichung aller Erkenntnisse. Bis in die späten 1920er-Jahre erschienen zahlreiche Publikationen, die moderne Methoden der Archäologie zum Inhalt hatten.

Moderne Archäologie

Im 20. Jahrhundert bediente sich die Archäologie schließlich moderner wissenschaftlicher Forschungsmethoden. Die Radiokarbonmethode gilt bis heute als ein wichtiges Instrument zur Altersbestimmung von Funden. Heute verwendet man zudem moderne Techniken der DNA-Analyse, um Funde menschlicher Skelette genau zu untersuchen. Ein Beispiel dafür ist die 1991 im Ötztaler Gletscher gefundene Eismumie Ötzi.

Die Archäologie ist heute eine Sammelbezeichnung verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen. Die moderne archäologische Forschung bedient sich auch zahlreicher anderer wissenschaftlicher Forschungszweige. So spielen heute auch die Paläontologie, Geophysik und Paläoklimatologie eine große Rolle in der Forschung.

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